Die Entwicklung der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)

Auch die Verteilung der Beiträge von Millionen von Kassenpatienten für Leistungserbringer (Krankenhäuser, Ärzte), sonstige Versorgungskosten (Arznei-, Heil- und Hilfsmittel) und die Verwaltung derselben ist voller Überraschungen. Die Entwicklungen dieser Ausgaben im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung von 1995 (1970) bis 2008 demonstriert die 15-(40-)jährige Geschichte der Beiträge und deren Verwendung...

Gegenüberstellung der GKV-Einnahmen unter Berücksichtigung des Bruttoinlandsprodukts und der Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung mit den u.g. Schwerpunkten:

                                            2008     2007     2006     2005     2004     2000     1995     1970   

1970* - 2008                                  1995  - 2008

 Bruttinlandsprodukt (BIP)  2489  2423  2363  2305  2287  2062 1848 (897) + 34,7 %
 GKV-Einnahmen 161,7 155,4 149,5 145,5 142,2 133,8 120,4 Mrd. + 34,3 %
 GKV-Ausgaben 160,8 153,6 147,6 143,6  139,9 133,7 124,0 Mrd. + 29,7 %
 % d. Bruttoinlandsprodukts   6,5   6,3    6,2    6,2    6,1    6,5    6,7  % 
 Ärztliche Versorgung  24,3  23,1    22,2     21,6    23,0   21,5  19,7 Mrd.  + 23,4 %
   in % aller GKV-Ausgaben  15,1  15,0  15,0   15,0   16,4   16,1   15,9   22,7  -  33,5 % *
 Krankenhausbehandlung  52,6  50,8     50,3   49,0  45,9   44,5   40,8  Mrd. + 28,9 %
   in % aller GKV-Ausgaben  32,7  33,1     34,1  34,1  32,8  33,3    32,9  25,2 + 29,8 % *
 Arzneimittel  29,2  27,7  25,9   25,3   21,8   20,1   16,4  Mrd. + 78,0 %
   in % aller GKV-Ausgaben  18,2  18,0  17,5  17,6  15,6  15,0  13,2 % + 37,9 %
 Verwaltung   8,3   8,1    8,1    8,0    8,1    7,3    6,1  Mrd. + 36,1 %
   in % aller GKV-Ausgaben   5,2   5,3    5,5    5,6    5,8    5,5    4,9  % +  6,1 %

 in Milliarden Euro bzw. Prozent  (Quellen: Statistisches Bundesamt (www.destatis.de) u. AOK-Bundesverband)

Analyse:

Das Bruttoinlandsprodukt steigt von 1995 - 2008 etwa im gleichen Verhältnis wie die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung, die GKV-Ausgabensteigerung war um ca. 5 % geringer. (Wo ist die Differenz ?). Die wirtschaftlichen Überschüsse werden nicht für die Versorgung der Patienten genutzt, sondern zur Sanierung anderer Bereiche (Mangelhafte Wirtschaftlichkeit der Kranken-kassen trotz Risikostrukturausgleich...?)

Die Ärztliche Versorgung stieg in den Jahren 1995 - 2008 um 23,4 % und lag damit um ca. 10 % geringer als die Steigerung des BIP. Hinzu kam eine deutliche Abwertung des ärztlichen Versor-gungssektors im Vergleich zu anderen GKV-Leistungen: Von 1970 - 2008 wurde der Anteil an den GKV-Ausgaben um mehr als 33 % gesenkt. Eine massive Kostensteigerung durch Honorare niedergelassener Ärzte - wie häufig vom Bundesgesundheitsministerium impliziert - ist somit nicht existent, der Ausgabenanteil beträgt seit 4 Jahren konstant 15 % der GKV-Gesamtausgaben.

Trotz einer nicht unerheblichen Verlagerung von medizinischen Leistungen aus den Krankenhäu-sern in den ambulanten Bereich (z.B. Ambulantes Operieren, Chemotherapie/Palliativmedizin, CT / MRT), wurde die Honorierung der Krankenhausleistungen um fast 30 % aufgestockt. Obwohl die Liegezeiten sinken und mehr Operationen in Praxen durchgeführt werden, wird hier politischer-seits weiter investiert (Konjunkturpakete ./. Personalpolitik). Kennen die Politiker die Behandlungs-strukturen in unserem Land nicht (?) oder sehen wir hier ein Kardinalsymptom der Klinik-Konzern-Ökonomie ?

Den stärksten Anstieg erlebten die Arzneimittelkosten. Mit einer Steigerung von 78 % haben die  Arzneimittelausgaben von 1995 - 2008 um ca. 13 Milliarden zugenommen. Im Vergleich zu allen anderen Ausgaben hat dieser Bereich überproportional "gewonnen" (s. Europa/Re-Importe; Lobbyismus, Mehrwertsteuer), obwohl gerade in den letzten Jahren erhebliche Anteile an preis-werten Generika verordnet wurden. Welche Rolle spielt hier die Interaktion zwischen Pharma-konzernen, Krankenkassen und politischen Protagonisten ?

Einen Zuwachs in der Größenordnung des BIP zeigt auch der Verwaltungskostenanteil, wobei bei der derzeitigen Stagnation ein deutlicher Sprung von 2000-2004 zu verzeichnen ist (vor dem GMG,  s. Gesundheitsreformen). Hierbei ist zu beachten, dass es Anfang der 90er Jahre noch 1000 Krankenkassen gab, Ende 2008 nur noch 200 Kassen existierten. Die zunehmenden Organistionsvorteile durch Fusionen scheint zwar die Dominanz einiger Kassen zu stärken, nicht aber zu Einsparungen zu führen. Hier scheinen die Kassen mit zunehmenden Leistungsprüfungen für Patienten ("Wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können...") ihre eigene Existenz zu begründen... Gleichzeitig implizieren sie durch Prüforgien (Arzneimittel, Heilmittel, Wirtschaftlichkeit) gegenüber den Leistungserbringern (v.a. Ärzten) die Notwendigkeit dieser Gremien im Sinne des Patienten...

Fazit:

Die Anstiege der einzelnen Bereiche der GKV-Ausgabenseite orientiert sich grob am Brutto-inlandsprodukt und liegen mit einer Steigerung bei gut 30 % im Durchschnitt, eklatant darüber liegen die Arzneimittelausgaben. Abgewertet wurde die Honorierung ärztlicher Leistungen, die andererseits aufgrund der Verlagerung zahlreicher ehemaliger Klinikaufgaben in den nieder-gelassenen Bereich (z.B. Ambulante Operationen) sowie einer Zunahme von alten und chronisch kranken Menschen einen deutlich höheren Leistungsbedarf verzeichneten.